Lateinamerika ist die gefährlichste Region der Welt für Umweltaktivisten. Vor drei Jahren hat uns diese Situation dazu veranlasst, die Arbeitsgruppe für Klimagerechtigkeit und Wikimedia-Projekte zu gründen, ein Bündnis aus Wikimedia Argentinien, Wikimedistas de Bolivia, Wikimedia Chile, Wikimedia Kolumbien, WikiAcción Perú, Wikimedistas de la Universidad de La Plata und Wikimedistas de Uruguay.
Letztes Jahr haben wir gemeinsam mit Wikimedia Brasilien ein Projekt vorgestellt, das die Integrität von Informationen über extreme Wetterereignisse fördern soll. Dieses Projekt wurde unter 500 Projekten von der Globalen Initiative zur Integrität von Informationen über den Klimawandel (GIIICC) ausgewählt, die von der brasilianischen Regierung, dem UN-Sekretariat und der UNESCO geleitet wird.
In diesem Zusammenhang haben wir im Mai an der Veranstaltung „Information Integrity: Local Action, Global Consequences“ teilgenommen, die von Institutionen der G7 Frankreich am UNESCO-Hauptsitz in Paris mit Unterstützung des GIIICC organisiert wurde und an der auch Regierungsvertreter aus Frankreich und Brasilien teilnahmen.

Konkrete Antworten auf Desinformation in Lateinamerika
Klimadesinformation ist nicht nur eine wissenschaftliche Debatte, sondern ein aktives Instrument der Obstruktion, das die Bürger daran hindert, an Informationen zu gelangen, um ihr Land und die Menschenrechte in unserer Region zu verteidigen. Wenn wichtige Inhalte zu diesen Themen nicht verfügbar oder schwer zu finden sind, wird diese Lücke durch Desinformationsgeschichten gefüllt.
In den letzten drei Jahren hat sich die Arbeitsgruppe dieser Herausforderung gestellt und ein Netzwerk von spezialisierten Autoren aufgebaut, die mehr als 5.000 Artikel der spanischsprachigen Wikipedia zu Themen wie erneuerbare Energien und Porträts von gefährdeten Umweltschützern überarbeitet haben.
Außerdem arbeiten wir mit multilateralen Organisationen wie der FAO und dem UNEP zusammen, um wissenschaftliche Spitzenforschung mit dem Wissen zu verknüpfen, das der breiten Öffentlichkeit zugänglich ist. Darüber hinaus erfassen wir Wissenslücken, die von Desinformationskampagnen ausgenutzt werden – so können wir bestimmte Narrative vorwegnehmen, bevor sie sich in der öffentlichen Meinung festsetzen.
Im brasilianischen Kontext hat sich auch Wikimedia Brasilien den Bemühungen angeschlossen und eine Kampagne zum Thema Klimawandel auf der portugiesischen Wikipedia ins Leben gerufen. Unter anderem haben wir durch den Wikiconcurso „Klimagerechtigkeit und Amazonas“ in Zusammenarbeit mit dem renommierten Emilio-Goeldi-Museum in Pará zur Verbesserung der Inhalte beigetragen. Mit diesem Museum haben wir außerdem ein GLAM-Projekt zum Hochladen von Biodiversitätsbeständen ins Leben gerufen.
Mit Unterstützung des Global Initiative Fund haben wir auf Wikidata ein strukturiertes Datenmodell entwickelt, um extreme Wetterereignisse nachzuverfolgen. Das Muster der Desinformation wiederholt sich bei jeder Überschwemmung und jedem Waldbrand, aber bisher war es schwierig, es über einen längeren Zeitraum hinweg nachzuverfolgen. Dieses Tool ist unser erster Schritt in Richtung einer langfristigen Beobachtung.
Derzeit analysieren wir Wikipedia-Artikel, um genau herauszufinden, wie und wo sich Falschinformationen einschleichen. Diese Arbeit wird in einem Forschungsbericht mit konkreten Empfehlungen und Workshops in sieben lateinamerikanischen Ländern münden.
Auf dem Weg zu strukturellen Veränderungen
Diese Fortschritte machen uns stolz, aber wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass Desinformation zum Thema Klima eine systemische Krise ist, die nicht allein durch ehrenamtliche Arbeit bei Wikimedia-Projekten bekämpft werden kann.
Deshalb haben wir der UNESCO dargelegt, dass strukturelle Veränderungen nötig sind, darunter strengere Gesetze, um diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die in böser Absicht handeln, sowie einen Übergang zu neuen Geschäftsmodellen für die Plattformen, die Engagement nicht durch Polarisierung und Sucht fördern. Ebenso müssen digitale öffentliche Güter wie Wikipedia und Wikidata geschützt, finanziert und als sichere Räume gefördert werden.
Wir werden weiterhin gemeinsam daran arbeiten, die Wikimedia-Bewegung als strategischen Partner zu fördern, um die Integrität von Informationen zum Klimawandel zu stärken – insbesondere in Bezug auf Umweltereignisse, die unsere Regionen betreffen.
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